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17. Deutsch-Luxemburgische Wirtschaftskonferenz – Fachkräftesicherung ist Zukunftssicherung

05.06.2018 15:01

Auslandgeschäft

(sitzend)Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, (stehend von l. nach r.) Carlo Thelen, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Luxemburg ; Xavier Bettel, Premier- und Staatsminister, Minister für Medien und Kommunikation, Kulturminister des Großherzogtums Luxemburg ; S.E . Dr. Heinrich Kreft, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Luxemburg

Die 17. Ausgabe der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftskonferenz stand im Zeichen des aktuellen Fachkräftemangels und dessen hemmender Auswirkung auf das Wachstum beider Volkswirtschaften. Die Konferenz bot ebenfalls eine perfekte Bühne, um den Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitswelt sowie Maßnahmen zur Sicherstellung der benötigten Profile in den Vordergrund zu stellen.

Die 17. Ausgabe der Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftskonferenz, welche seit rund 10 Jahren zu einer regelrechten Institution der bilateralen Beziehungen beider Länder avanciert ist, fand am 4. Juni 2018 zum wiederholten Male in den Räumlichkeiten der Handelskammer des Großherzogtums statt. Auch diesmal war die Konferenz, zu der traditionsgemäß die Handelskammer Luxemburg sowie die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Luxemburg einladen, ein Sinnbild der Zusammenarbeit und des Dialoges zwischen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern beider Länder.

Unter dem Titel ,,Fachkräfte(mangel) : Motor (und Bremse) einer wissensbasierten Gesellschaft” waren Premierminister Xavier Bettel und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet als Hauptredner geladen. Darüber hinaus stand auch eine Podiumsdiskussion wirtschaftlicher Vertreter beider Länder auf der Tagesordnung, um den zahlreichen Teilnehmern der Konferenz ihre Erfahrungen zu schildern.

Den Anfang auf dem Rednerpult machten allerdings der deutsche Botschafter Dr. Heinrich Kreft sowie Carlo Thelen, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Luxemburg. Bei dieser Gelegenheit betonten beide die großen Chancen welche sich aus möglichen Synergien beider Regionen im Kampf gegen den Fachkräftemangel ergeben können.

In der Tat steht in beiden Ländern momentan die Suche nach Lösungen für den Fachkräftemangel ganz oben auf der Prioritätenliste. So fehlen laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) in Deutschland aktuell etwa 440.000 Fachkräfte, davon alleine mehr als 300.000 im MINT-Bereich (in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), ein Engpass ohne welchen laut Experten das jährliche deutsche Wirtschaftswachstum um 0,9 Prozentpunkte höher ausfallen könnte. Währenddem wird die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften auch in Luxemburg zunehmend zur Herausforderung. Daraufhin deutet zumindest die jährliche Umfrage ,,Eurochambres’’ des Dachverbandes der europäischen Industrie – und Handelskammern : Demnach gaben 55% der teilnehmenden luxemburgischen Unternehmen den qualifizierten Fachkräftemangel als größte Herausforderung überhaupt an, und nicht etwa eine mangelnde Nachfrage oder zu hohe Lohnkosten. Dies scheint vor allem der Fall im IKT-Sektor zu sein : so sprach Arbeitsminister Nicolas Schmit im März dieses Jahres noch von 2.000 Arbeitsplätze im IKT-Sektor, die im Jahr 2017 nicht besetzt werden konnten obwohl sie dem Arbeitsamt bekannt waren. ,,Wir gehen davon aus, dass in ganz Luxemburg zwischen 5.000 und 6.000 Arbeitsplätze aus Mangel an Fachkräften nicht besetzt sind”, so damals der Minister im Rahmen der Präsentation einer Studie der Fedil sowie der ABBL über den IKT-Sektor. 

Dabei sind die Gründe für den Fachkräftemangel vielfältig. So führte der deutsche Botschafter das Argument des starken Wachstums beider Volkswirtschaften an, aber unterstrich zugleich auch den demografischen Wandel, seinerseits geprägt von immer mehr Arbeitnehmern der Baby-Boomer Generation welche sich dem Renteneintritt nähern und so Lücken auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Angesichts der rasch voranschreitenden Digitalisierung, sowie den miteinhergehenden neuen Anforderungen an Arbeitnehmer, bleibt allerdings auch bei Aus- und Weiterbildung noch viel Luft nach oben. ,,Talente welche lokal ausgebildet werden müssen nicht erst mühselig angezogen werden, und Luxemburg hat hier noch Nachholbedarf”, räumte unter anderem Carlo Thelen ein.

Dabei scheint die Antwort auf das Fachkräfteproblem genau so vielseitig zu sein wie das Problem selbst. ,,Die Antwort sollte bestenfalls dreigleisig sein : Förderung von Aus- und Weiterbildung, das Anziehen von Talenten aber auch höhere Produktivitätszuwächse. Und gerade die Digitalisierung kann hier der Treiber dieser notwendigen Produktivitätszuwächse sein’’, so Carlo Thelen

Bei Regierungschef Xavier Bettel stand derweil die Digitalisierung im Mittelpunkt seiner Rede, wo er sich mit einem energischen Plädoyer zum einen für eine klare europäische Strategie im digitalen Bereich stark machte, aber zum anderen auch für einen ministerienübergreifenden Ansatz plädierte um die Herausforungen der Digitalisierung auf nationaler Ebene besser zu meistern. ,,Für eine Arbeitswelt 4.0 brauchen wir eine Schule 4.0, und hier bedarf es der konstruktiven Zusammenarbeit einer ganzen Reihe an Ministerien’’ so Bettel, der trotzdem die Notwendigkeit qualifizierter Zuwanderung unterstrich. Deswegen bedauerte Bettel auch die suboptimalen Umstände der in Luxemburg arbeitenden deutschen Grenzgänger, indem er unter anderem dem deutsch-luxemburgischen Zugverkehr den unrühmlichen Status des ,,Bermudadreiecks des Schnelltransports” attestierte.

Der nordrhein-westfälische CDU-Ministerpräsident Armin Laschet, ein Fürsprecher offener europäischer Grenzen sowie regelmäßiger Befürworter eines ,,Fachkräftezuwanderungsgesetzes’’, teilte und begrüßte Bettels Einschätzung bezüglich der Unverzichtbarkeit qualifizierter Zuwanderung. ,,Wenn man in Bayern tatsächlich die Grenzen dicht machen will, bitteschön, aber das will hier in Westdeutschland niemand”, so Laschet. Trotzdem unterstrich der CDU-Politiker die vielen Aufgaben die auch im Inland auf der Agenda stünden. So machte er sich unter anderem für kürzere und flexiblere Arbeitszeiten für ältere Arbeitnehmer stark. Gleichzeitig betonte er aber auch die Wichtigkeit einer technisch praxisorientierteren Ausbildung der Schüler und Auszubildenden sowie die Notwendigkeit von mehr Kitaplätzen, ein immer noch anhaltendes Manko in NRW.

Die Podiumsdiskussion, mit Vertretern sowie Sprechern deutsch-luxemburgischer Unternehmen, machte abschließend deutlich, dass die Situation des Fachkräftemangels sowie des Anwerbens qualifizierter Arbeitskräfte beider Länder trotzdem differenziert werden muss. ,,Angesichts der Mieten und Immobilienpreise in Luxemburg spielt das Gehalt schon eine große Rolle. Man sollte sich hier nicht zu utopischen Illusionen hingeben, vor allem nicht beim Anwerben ausländischer Fachkräfte”, so eine Sprecherin der CARGOLUX S.A. Die deutschen Kollegen entgegneten allerdings dass dies in Deutschland nicht unbedingt der Fall sei, denn die Lohnzahlungen mancher handwerklichen und technischen Berufe seien nicht unbedingt geringer als bei Akademikern.

Ein enormes Manko herrsche allerdings bei der sozialen Wertschätzung technischer und handwerklicher Berufe, wo Akademiker immer noch besser dastünden. Hier bedauerten die unterschiedlichen Sprecher auch gemeinsam, dass es höchste Zeit sei die unbegründete Stigmatisierung dieser Berufsgruppen zu überwinden, um so auch wieder langfristig mehr Neugierde bei jungen Leuten für solche Berufe zu wecken. Zum Schluss machten die Sprecher aber klar, dass kurzfristig nichts an der Weiterbildung der vorhandenen Arbeitskräfte vorbeiführe, eine Herausforderung wo sie für einen pragmatischen und individuell zugeschnittenen Ansatz gegenüber den Arbeitnehmern plädierten.

An der Podiumsdiskussion nahmen Wirtschaftsvertreter aus Deutschland und Luxemburg teil.